Geschichtswerkstatt Hölzenhausen
Nassauischer Löwe

 

Texte der Geschichtswerkstatt Hölzenhausen

Nassauische Annalen 2022
Text 1
Dr. Josef Hörle (1890–1966) – Historiker, Altphilologe, Katholik und „Außenseiter“
In: Nassauische Annalen 133 (2022). S. 399–444.
Von Peter Eisenburger.


Aus urheberrechtlichen Gründen kann der Originaltext erst im Jahr 2023 an dieser Stelle erscheinen.

im Folgenden ein Abstract (Zusammenfassung):

Die Biographie wird dargestellt vor dem Hintergrund der nassauischen, hessischen und deutschen Geschichte.

Die Familie des Josef Hörle hat ihre Wurzeln im Westerwald und Taunus. Josefs Vater Hermann (1861–1937) bekam eine Lehrerstelle in Wiesbaden. Josef, dort geboren, erlebte um die Jahrhundertwende die ungeheure Expansion dieser Stadt und auch die dadurch verursachten Probleme.

Josef Hörle gehörte als Katholik einer im Kaiserreich und bis in die frühe Bundesrepublik stark benachteiligten Bevölkerungsgruppe an. Zeitlebens engagierte er sich in der Kirche, insbesondere in der Sozialarbeit. Sein Bruder Georg (1889–1942) wurde der erste Pfarrer in der neugegründeten katholischen Pfarrei der Frankfurter Industriesiedlung Riederwald, wo er moderne, volksnahe Ansätze des Kirchenlebens umsetzte. Insbesondere sollte die Kirche volksnäher sein und die Pfarrer ein einfaches und bescheidenes Leben führen. In der NS-Zeit wurde er von der Gestapo mehrfach verhört und bedroht. Nachfolger von Hermann Hörle im Riederwald wurde der spätere, ebenfalls reformorientierte Limburger Bischof Wilhelm Kempf.

Josef Hörle studierte Altphilologie (Altgriechisch und Latein) sowie Französisch in Bonn und Freiburg. In Wien promovierte er mit einer komplett auf Latein geschriebenen Untersuchung über Cato.
Hörle war Soldat in beiden Weltkriegen. Im Ersten Weltkrieg war er vier Jahre an der Front und wurde an der Somme, der Maas und vor Verdun eingesetzt. In der NS-Zeit musste er erneut an die Front, diesmal in den Osten.

Das Spruchkammerverfahren wegen einer unter Druck eingegangenen NSDAP-Mitgliedschaft wird in der Biographie ausführlich dargestellt.

Ehemalige Schüler beschreiben noch nach Jahrzehnten den unorthodoxen, anschaulichen und erfrischenden, aber auch als sehr fordernd empfundenen Unterrichtsstil des Gymnasiallehrers Josef Hörle.

Als Historiker zeichnete sich Hörle durch eine fachübergreifende Herangehensweise aus, mit der er in den 1950er Jahren scheinbare Gewissheiten in der nassauischen Geschichtsschreibung in Frage stellte. Durch die Interpretation der Gründungsurkunde des Stiftes Gemünden aus dem Jahr 879 wurde ein „Historikerstreit” ausgelöst. Der Verfasser der vorliegenden Biographie, Peter Eisenburger, wird diese Diskussionen in einer eigenen Veröffentlichung aufgreifen und neu bewerten. Dabei geht es auch um die urkundliche Ersterwähnung von Hölzenhausen.

Die neben seiner Dissertation wichtigsten Arbeiten veröffentlichte Hörle in der Realenzyklopädie des klassischen Altertums sowie im Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte (hier auch der erwähnte Aufsatz zum Stift Gemünden). Hinzu kamen mehrere lokalhistorische Untersuchungen aus den Räumen Westerwald, Taunus und Bad Hersfeld. Große Resonanz fand seine Ortsgeschichte „Langendernbach in guten und bösen Tagen”. 

Peter Eisenburger, 15. Mai 2022.

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Hochgeladen am 16. Mai 2021.